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Getaggte PDF

Eine getaggte PDF enthält Strukturtags für Überschriften, Absätze, Listen und Tabellen. Sie legen die Lesereihenfolge und semantische Struktur für Screenreader und andere Hilfstechnologien fest.

Getaggte und ungetaggte PDFs

Eine ungetaggte PDF enthält Text, Bilder und Vektoren, die sichtbar auf der Seite angeordnet sind. Das Anzeigeprogramm rendert sie an den richtigen Positionen, sodass sehende Menschen ein sauber formatiertes Dokument erkennen. Die Datei enthält jedoch keine Angaben zur logischen Struktur. Sie weiß nicht, welcher Text eine Überschrift oder ein Absatz ist und in welcher Reihenfolge die Inhalte gelesen werden sollen.

Eine getaggte PDF ergänzt strukturelle Metadaten. Jedes Inhaltselement wird von einem Tag umfasst, das seine Aufgabe beschreibt: <H1> steht für eine Überschrift der obersten Ebene, <P> für einen Absatz, <Table> für eine Tabelle, <L> für eine Liste und <Figure> für ein Bild. Die Tags legen außerdem die Reihenfolge fest, in der ein Screenreader den Inhalt durchlaufen soll.

Dieser Unterschied ist vor allem für Barrierefreiheit wichtig. Ohne Tags kann ein Screenreader Inhalte in der falschen Reihenfolge lesen, wichtige Elemente auslassen oder die Dokumentstruktur nicht vermitteln. Aus einem gut aufgebauten Bericht wird dann ein unzusammenhängender Textstrom.

Warum Tags für Barrierefreiheit wichtig sind

Screenreader und andere Hilfstechnologien brauchen Strukturinformationen, um ein Dokument sinnvoll wiederzugeben. Tags liefern diese Informationen.

Mit korrekten Tags kann ein Screenreader:

  • Überschriften ankündigen: Dadurch kann die Person nach Überschriftenebene navigieren und direkt zum benötigten Abschnitt springen.
  • Tabellen richtig lesen: Kopf- und Datenzellen werden einander zugeordnet, sodass verständlich wird, zu welcher Spalte oder Zeile ein Wert gehört.
  • Bilder beschreiben: Alternativtext an Figure-Tags vermittelt den Inhalt von Bildern, die eine Person nicht sehen kann.
  • Der Lesereihenfolge folgen: Inhalte werden in der vorgesehenen logischen Abfolge durchlaufen statt in einer rein visuellen Layoutreihenfolge, die bei mehrspaltigen oder komplexen Seiten abweichen kann.
  • Navigation überspringen: Die Tagstruktur ermöglicht Sprünge zwischen Abschnitten, Listen und anderen Orientierungspunkten.

Ohne Tags greift ein Screenreader auf die rohe Textextraktion zurück. Besonders bei Dokumenten mit Spalten, Seitenleisten, Kopf- und Fußzeilen oder frei platzierten Elementen kann daraus eine verstümmelte oder falsch sortierte Ausgabe entstehen.

So entstehen getaggte PDFs

Es gibt mehrere Wege zu einer getaggten PDF:

  • Autorenprogramme mit geeignetem Export: Textverarbeitungen wie Microsoft Word, Google Docs und LibreOffice können beim Export getaggte PDFs erzeugen, sofern das Dokument Überschriftenstile, Alternativtexte für Bilder und strukturierte Listen verwendet. In den Exporteinstellungen muss die Tag-Erzeugung aktiviert sein.
  • Desktop-Publishing-Programme: Adobe InDesign und ähnliche Layoutwerkzeuge unterstützen den Export von Tags. Beim Gestalten werden Inhaltselemente den passenden Tags zugeordnet.
  • Werkzeuge zur PDF-Nachbearbeitung: Wurde eine PDF ohne Tags erstellt, können Programme wie Adobe Acrobat Pro diese nachträglich ergänzen. Dabei werden Inhaltselemente manuell oder teilautomatisch erkannt und mit dem richtigen Tag versehen.
  • Automatisierte Pipelines: Dokumentverarbeitungssysteme können Tags per Code hinzufügen. Bibliotheken analysieren dazu die Inhaltsstruktur und erzeugen die Tags bei der PDF-Erstellung.

Die Qualität der Tags hängt von der Qualität des Ausgangsdokuments ab. Ein sauber strukturiertes Word-Dokument mit richtigen Überschriften erzeugt automatisch gute Tags. Ein flaches Dokument ohne Struktur muss dagegen manuell nachbearbeitet werden.

Bei PDFs aus Screenshots erfolgt das Tagging gewöhnlich nach der OCR, nicht davor. Sobald die Datei maschinenlesbaren Text enthält, kann ein Werkzeug Überschriften, Absätze und Abbildungen so zuordnen, dass Hilfstechnologien sie tatsächlich nutzen können.

Häufige Fehler bei getaggten PDFs

  • Eine durchsuchbare PDF automatisch für getaggt halten: Eine durchsuchbare PDF hat maschinenlesbaren Text, aber möglicherweise keine Strukturtags. Suche und Barrierefreiheit sind getrennte Fähigkeiten.
  • Visuelle Formatierung statt Formatvorlagen verwenden: Großer, fett gesetzter Text erzeugt keinen Überschriften-Tag. Das Autorenprogramm muss das Element als Überschrift erkennen. Dafür ist eine Überschriften-Formatvorlage nötig, nicht nur die sichtbare Gestaltung.
  • Tabellenstruktur übersehen: Komplexe Tabellen mit verbundenen Zellen, verschachtelten Kopfzeilen oder zeilenübergreifenden Bereichen erzeugen häufig fehlerhafte Tags. Vereinfache das Tabellenlayout oder prüfe die Tagstruktur nach dem Export von Hand.
  • Alternativtexte für Bilder auslassen: Eine getaggte PDF mit Figure-Tags, aber ohne Alternativtexte erfüllt die Anforderungen an Barrierefreiheit weiterhin nicht. Jedes inhaltlich wichtige Bild braucht eine Textbeschreibung. Dekorative Bilder sollten als Artefakte markiert werden, damit Screenreader sie überspringen.

Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet eine getaggte von einer durchsuchbaren PDF?

Eine durchsuchbare PDF enthält maschinenlesbaren Text, der Suche und Auswahl ermöglicht. Eine getaggte PDF enthält zusätzlich Strukturtags für Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen und Lesereihenfolge, die Hilfstechnologien auswerten können.

Wie prüfe ich, ob eine PDF getaggt ist?

Öffne in Adobe Acrobat Datei > Eigenschaften und suche im Tab „Beschreibung“ nach dem Feld „PDF mit Tags“. In den meisten Anzeigeprogrammen findest du die Angabe auch in den Dokumenteigenschaften oder im Metadatenbereich.

Sind alle aus Word-Dokumenten erstellten PDFs getaggt?

Nicht automatisch. Microsoft Word kann getaggte PDFs erzeugen, wenn die Exporteinstellungen Tags für Barrierefreiheit einschließen. Diese Option muss aktiviert sein. Außerdem braucht das Dokument korrekte Überschriftenstile und eine sinnvolle Struktur, damit die Tags aussagekräftig sind.

Verändern Tags das Aussehen einer PDF?

Nein. Tags sind in die Dateistruktur eingebettete Metadaten und verändern die sichtbare Darstellung nicht. Sie beschreiben die semantische Struktur, mit der Hilfstechnologien den Inhalt interpretieren und darin navigieren.

Sind PDF-Tags gesetzlich vorgeschrieben?

In vielen Rechtsordnungen ja. Vorgaben wie Section 508 in den USA, der European Accessibility Act und auf WCAG beruhende Beschaffungsstandards verlangen, dass öffentlich bereitgestellte digitale Dokumente von Behörden und bestimmten Organisationen barrierefrei sind. Das setzt in der Regel Tags voraus.

Quellen

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